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Bin ich hypnotisierbar?

Hypnose, Hypnose Zürich, Text

Bin ich hypnotisierbar“ ist eine der ersten Fragen, die sich viele stellen, wenn sie die ersten Erfahrungen mit Hypnose machen. Es ist auch eine der ersten Fragen, die ich gestellt bekomme, wenn Leute herausfinden, dass ich als Hypnosetherapeut arbeite. Die andere ist „Bin ich für Hypnose geeignet?“

Das ist natürlich verständlich. Wenn sich Menschen beim Bühnenhypnotiseur zum Affen machen oder dem Hypnotiseur willenlos ausgeliefert sind, dann kann das auch etwas Angst verursachen.

So wie in den Videos, in denen Menschen nach nur einem Fingerschnippen des Hypnotiseurs sozusagen ins Koma fallen, so kann ich doch nicht reagieren „Könnte das jemand auch mit mir machen? Wäre ich auch willenlos in der Hypnose?“.

Der einfache Ausweg aus diesen Fragen ist natürlich zu denken, dass man nicht hypnotisierbar ist. Nachdem man den Hypnose Händefalttest oder ähnliches gemacht hat und der nicht geklappt hat, denkt man man sei nicht geeignet für Hypnose. Oder man denkt fälschlicherweise  „Hypnose funktioniert bei mir nicht“ oder „Hypnose klappt nicht„.

Ich treffe diese paradoxe Kombination erstaunlich oft an. Auf der einen Seite steht mit gewissem Respekt das „Hypnose macht Leute zu willenlosen Zombies“ und gleichzeitig „Hypnose funktioniert nicht und schon gar nicht bei mir!“

Um die verschiedenen Ansichten etwas zusammenzubringen und um die brennende Frage: „bin ich hypnotisierbar?“ oder „bin ich für Hypnose geeignet?“ zu beantworten, habe ich diesen Beitrag geschrieben. Für alle, die nur eine Kurzantwort wollen:

Die Antwort ist Ja.

Wer jetzt wissen will warum ich sicher bin dass auch Sie hypnotisierbar sind oder wer wissen will warum alle Menschen hypnotisierbar sind, der liest hier weiter:

Was ist Hypnose?

Um die Frage zu beantworten ob jemand oder alle hypnotisierbar sind, muss natürlich zuerst die Frage beantwortet werden, was es überhaupt heisst hypnotisiert zu sein. Oft haben Menschen ein ziemlich falsches Bild davon, was es heisst „in Hypnose“ zu sein. Ohnmächtig oder „weg“ zu sein wird oft mit hypnotischer Trance in Verbindung gebracht.

Mich fragt manch ein Klient nach der Hypnose „War das jetzt richtige Hypnose? Ich war ja gar nicht weg“ oder „habe ich das jetzt richtig gemacht? Ich habe noch alles gehört, was du gesagt hast“. Dies stammt auch aus den Bildern, die einem durch den Fernseher in den Kopf gesetzt wurden. Der Showhypnotiseur und der Hypnosetherapeut haben aber nicht sonderlich viele Gemeinsamkeiten. Generell kann man die Bühnenhypnose ziemlich klar von der klinischen Hypnose trennen.

Die Ideen, die man von der Bühnenhypnose her hat, kann man nicht auf die klinische Hypnose anwenden. In beiden Fällen gehen die Hypnotisierten in eine hypnotische Trance. Da hören die Gemeinsamkeiten schon auf.

Die Hypnotische Trance

Momente der Trance haben wir alle regelmässig im Alltag. Ob beim Musikhören oder beim Autofahren, der Zustand der Trance setzt sich oft von ganz alleine ein. Jemand der sich noch nicht allzu sehr mit der hypnotischen Trance auskennt, der kann sich diesen Zustand vorstellen, wie eine sehr entspannte Art des Tagträumens. Viele beschreiben dies als eine Art „Im flow sein“. Jeder Mensch durchläuft natürlich diesen Zustand mindestens zwei Mal am Tag. Nämlich vor dem Aufwachen und vor dem Einschlafen. Und da fragt sich niemand „bin ich hypnotisierbar?“.

Die hypnotische Trance ist der Alltagstrance sehr ähnlich, jedoch ist sie viel intensiver und entspannender.

Seit jeher wird die hypnotische Trance als die Mitte zwischen wach und schlafend beschrieben. Dies ist nun seit einiger Zeit auch wissenschaftlich bewiesen. Die Hirnströme, die man während der Hypnose messen kann, lassen sich etwa zwischen wach und schlafend ansiedeln. Der Artikel bezieht sich auch auf die Reduktion von Schmerzen in der Hypnose.

Auch beschrieben wird die Trance als „entspannte Konzentration“. Wer schon einmal intensiv kreativ tätig ist, der weiss welchen Zustand ich meine. Es werden Hirnregionen aktiviert, die für die Konzentration zuständig sind und auch solche die für die Entspannung sorgen. Diese spezielle Kombination macht die Trance so wertvoll und einzigartig.

Die (hypnotische) Trance ist so ein integraler Bestandteil unseres täglichen Lebens. Mit modernen Geräten ist sie auch messbar bei jedem Menschen. Die Frage „bin ich hypnotisierbar?“ kann also verglichen werden mit der Frage „Kann ich einschlafen“ und die Frage „Ist jeder Mensch hypnotisierbar?“ mit „Kann jeder Mensch schlafen?“.

Das wichtige ist, dass wir merken, dass die Trance uns in allen Lebensbereichen begleitet und dass es nicht spezifisch Hypnose braucht und diesen Zustand zu erreichen. Mit der Hypnose geht es direkter, einfacher und intensiver. Sie kann fliessend zum Lösen von Problemen und zur Verbesserung von inneren Abläufen genutzt werden.

Unterschiedlich Hypnotisierbar?

Das Gehirn jedes Menschen ist unterschiedlich. Auch wenn vieles bei den meisten ziemlich ähnlich funktioniert, gibt es doch auch Unterschiede bei der Hypnose. Nachdem wir oben bewiesen haben dass jeder Mensch hypnotisierbar ist, können wir uns natürlich fragen wo die Unterschiede liegen.

Langsam oder schnell in Hypnose?

Oft wird unterschieden zwischen solchen die langsam und solchen die schnell in Trance gehen. Da wir aber gezeigt haben mit den Beispielen der Alltagstrance, kann jeder sowohl langsam als auch schnell in Trance gehen. Die Frage ist nur ob er ein geübter Trancegänger ist und wie skeptisch er sich gegenüber der Hypnose/des Hypnosetherapeuten ist. Natürlich wird es einfacher jemanden in die Trance zu führen, je mehr die Person das möchte.

Auf der anderen Seite wird es manchmal schon fast zu einem Kampf, wenn sich jemand aktiv dagegen wehrt. Wenn solche Gegebenheiten in der Forschung als starke oder schwache Hypnotisierbarkeit interpretiert wird, kann es dann natürlich zu Fehlschlüssen kommen. In meiner Erfahrung kann jeder in Augenblicken in Trance gehen, sofern er oder sie das möchte. In der Geschwindigkeit gibt es also keine grossen Unterschiede.

Suggestivität in Hypnose

Es wird im Bezug auf Hypnose immer wieder von „Hochsuggestiblen“ und „Niedrigsuggestiblen“ gesprochen. Damit ist gemeint, dass es Unterschiede gibt in der Umsetzung der (post-)hypnotischen Suggestionen. Hochsuggestible nehmen die Vorschläge sofort an und setzen sie um. Bei den Niedrigsuggestiblen braucht es viel mehr, damit sie die Suggestionen umsetzen. Man beachte, dass der Begriff „niedrigsuggestibel“ nicht „nichtsuggestibel“ ist. Das kommt davon, dass eben jeder zu einem bestimmten Grad suggestibel ist. Aber auch diese Eigenschaften spielen nicht nur in der Hypnose eine Rolle sondern auch im Alltag.

Ob jemand sich von einer Reklame zum Kauf überreden lässt oder nicht, hängt auch von seiner Suggestivität ab. Deswegen befassen sich viele Werber mit Hypnose. Die Suggestivität spielt auch bei Ratschlägen im Alltag eine Rolle. Man trifft immer wieder auf Menschen, die jeden Ratschlag komplett ignorieren. Die sind dann halt in einem niedrig suggestiblen Zustand.

Es gibt also Unterschiede in der Suggestivität, jedoch kommt es auch auf die Überzeugungskraft des jeweiligen Reizes an. Nicht alles was die eine Person voll anspricht, hat auch bei der Anderen die selbe Wirkung. Sonst wäre das ja das Ende der Werbebranche, weil es nur noch einen Slogan gäbe, der jeden Anspricht. Und es wäre auch das Ende der kreativen Hypnose. Dann würden Wort-für-Wort Hypnoseskrips plötzlich Sinn machen, weil bei jedem Mensch dasselbe funktionieren würde. Aber gottseidank gibt es Unterschiede. So kann ich auch weiterhin meine Hypnose auf das Individuum massschneidern.

Zustände und Hypnose.

Der eigentlich wichtigste Einfluss auf die Hypnotisierbarkeit ist der Zustand in dem sich die zu hypnotisierende Person befindet. Wenn jemand komplett gestresst oder angespannt ist, dann ist es logischerweise schwerer, sich in Trance zu begeben. Deshalb ist es auch die Aufgabe eines fähigen Hypnosetherapeuts, die Menschen dort abzuholen wo sie sind. Auch nach vielen vielen Stunden Hypnose habe ich keinen festgefahrenen 1, 2, 3 Ablauf für eine Hypnosetherapie. Denn wie schnell, tief und wirkungsvoll jemand in die hypnotische Trance geht hängt auch sehr von seinem Zustand ab.

Deshalb bringe ich die meisten Klienten zuerst in einen entspannten Zustand. Sei das mit Humor oder Alltagsgeschichten, das Wichtige ist, dass sich ein positiver Zustand einstellt. So bauen sich Widerstände ab und der Weg in die Trance wird ganz einfach für jedermann.

Fazit: bin ich hypnotisierbar?

„bin ich hypnotisierbar?“ Die Antwort ist eine ganz klares „Ja“. Mit dem qualifizierenden Zusatz „wenn du grundsätzlich möchtest“. Unterschiede bestehen vor allem bei der Umsetzung der jeweiligen Suggestionen. Wobei es richtig formuliert bei jeder Person wirken kann.

Die Ausrede „Sie sind nicht hypnotisierbar“, die viele „Hypnotiseure“ bei Misserfolg verwenden, kann nicht gelten. Jeder Mensch ist hypnotisierbar und jeder Mensch ist suggestibel, aber es ist halt nicht jeder Hypnosetherapeut gleich gut. Also das nächste Mal wenn man auf einer Webseite einen „bin ich hypnotisierbar“ Test oder ähnliches sehen, einfach weiterklicken.

Jeder Mensch hat ein Unbewusstsein, jeder Mensch kann in Trance gehen und jeder Mensch (und viele Tiere übrigens auch, siehe Pferdeflüsterer etc.) ist hypnotisierbar.

Jan Zeyer

Jan Zeyer

Hypnosetherapeut

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